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Magistri Moesani
Diplom für Antonius Ritz über eine 3-jährige Lehrzeit als Maurer bei Magister Antonio Riva, 17. Jahrhundert
Museo Moseano, San Vittore |
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| Auf der Suche nach einem neuen Lebensgefühl? |
Die Wurzeln der Emigration der südalpinen Bergtäler reichen weit zurück und finden wohl ihren Ursprung in der allgmeinen Handelstätigkeit, die sich mit dem Aufkommen des Passverkehrs zwischen Nord und Süd einzustellen begann. Die immer wieder eintretende allgemeine Not, das Bedürfnis nach grösserer materieller Sicherheit und persönlicher Entfaltung trieb die Talbewohner zuerst richtung Süden nach Mailand, ins Zentrum der damaligen Herrschaft des Misox.
Es wäre aber falsch, auch die künstlerische Tätigkeit der Bauleute aus dem Moesano auf die Ebene rein wirtschaftlicher Interessen reduzieren zu wollen: Intelligente, begabte Individuen traten hier in Norditalien mit einer neuen Mentalität in Kontakt, die im tiefen Kontrast zur Härte des Alltags ihrer Heimat stand und sie deshalb tief beeindruckte und faszinierte!
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| Emigranten als Vermittler zwischen Nord und Süd |
Zurück in der Heimat – nach eingehenden Studien im Süden – konnte nun das «barocke» Lebensgefühl über die Bündner Pässe ins Europa nördlich der Alpen getragen werden. Im Dienste zahlreicher geistlicher und weltlicher Fürsten entstanden einndrückliche Stätten des Gebets, Klöster, verschwenderische Residenzen, repräsentative Kulissen zu Marktplätzen, Bürgerspitäler und gar protzende Festungen. Die Zerstörungen des Dreissigjährigen Krieges und der Zerfall der zentralen Reichsmacht im Europa der Frühen Neuzeit begünstigten die Auftragslage von Fürsten und Bürgern; die wachsende Territorialisierung dieser Partikularmächte ermöglichte die notwendige Akkumulation von Kapital, mit der sich die prunkvolle Selbstdarstellung gegenüber den Konkurrenten und den eigenen Untertanen verwirklichen liess.
Die baulichen Vorlagen und Neuerungen der grossen italienischen Baumeister wurden begierig übernommen und zu einem eigenen, prägenden Stil weiterentwickelt. Schon bald unterschied man die «Magistri Moesani» von den «Italienern», als die sie zuerst galten.
Ab Mitte des 16. Jahrhunderts folgten zahlreiche Auftragsarbeiten in fast allen grösseren und kleineren Städten Mitteleuropas wie Trier, Neustadt, Leipzig, Krakau, Wien und Warschau. Die Erhebung ettlicher Bauleute in den Ritterstand war sowohl ein Zeichen des Dankes und Wertschätzung seitens ihrer Bauherren, als auch Ausdruck des wachsenden Selbstbewusstseins der Emigranten. Damit war die Basis für die Entwicklung einer jahrhundertelangen Familientradition gelegt.
Eigentliche Familienpaläste in der Heimat zeugen noch heute von der grossen Zeit der glanzovllen Namen der Gabrieli, Viscardi, Zuccalli, Barbieri und der Sciascia.
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| Generationen im Dienste der Kunst |
Die Laufbahn eines jeden Künstlers – ob Architekt, Stukkateur oder Maler - begann mit einer fundierten, mehrjährigen Ausbildung. Die Vorstösse zum Aufbau eines soliden Schulwesens in der Heimat widerspiegelt das Wissen um die Bedeutung einer nachhaltigen Qualitätssicherung, ging es doch schliesslich um den guten Ruf und um ein finanziell einträglicheres Metier als alles, was die Heimat an wirtschaftlichen Betätigungsfeldern zu bieten hatte.
Von den rund 1'000 Einwohnern, welche die Kommune Roveredo / San Vittore umfasste, zogen im Frühjahr rund 2/3 aller Männer in Ausübung ihres Berufes ins Ausland: Mit einem Heer von gut ausgebildeten Handwerkern wie Schreiner, Glaser, Maurer, Maler und Schmieden zogen die Magistri über die Pässe in ihre angestammten Regionen; die Bauleute von Roveredo und San Vittore eher ins südliche Deutschland, die Künstler und Handwerker aus dem oberen Misox von Soazza und Mesocco bevorzugt nach Polen.
Während der Winterzeit hinterliessen viele Magistri auch in ihrer Heimat eindrückliche Spuren ihres Schaffens; ettliche Kirchen des Calancatals und des Misox erhielten so künstlerische Ausstattungen von europäischem Rang.
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